RANDNOTIZ

Da mir beim Laufen die Füße schmerzen, entschloss ich mich, einen Orthopäden aufzusuchen, denn so, wie ich selbst feststellen konnte, habe ich einen Hohlfuß und Arthrose in den Zehen. Gesagt... getan...
Der Fuß wurde geröntgt. Der Orthopäde bestätigte, dass meine Füße Einlagen brauchen, damit ich Erleichterung verspüre. Ich erhielt ein Rezept, einige Adressen mehrerer Fußspezialisten und einen Händedruck.
Ich suchte mir einen Experten in meiner Nähe aus. Als ich die Praxis betrat, waren alle 4 Stühle im Wartebereich besetzt. Auf den Stühlen saß ein älterer Herr, schon recht betagt und ein Mann mit seinen zwei Kindern. Der Vater sprach gebrochen Deutsch, die Kinder sprachen akzentfrei. Es dauerte, und so langsam schmerzten meine strapazierten Füße. Der Mann mit den zwei Kindern konnte wohl Gedanken lesen. Er forderte seinen jüngeren Sohn auf, den Stuhl zu räumen und bei ihm auf dem Schoß Platz zu nehmen.
Ich bedankte mich herzlich und saß nun zwischen dem Mann und dem älteren Sohn, der auf seine Einlagen wartete. Nach einer Weile fragte ich den älteren Sohn, ob wir nicht den Platz tauschen wollten, damit er neben seinem Vater sitzen konnte. Der Junge lachte mich an, und schon standen wir beide auf, um die Stühle zu wechseln. Ich war froh, nun endlich sitzen zu können, der Tag war heiß im Norden.
Nach einer Weile ging erneut die Tür auf und ein älteres Ehepaar betrat die Praxis. Sie atmeten beide schwer, der Schweiß stand ihnen auf der Stirn. Wieder stand der Mann mit seinen Kindern auf und bot dem Ehepaar zwei Stühle an. Dankbar nickten beide mit dem Kopf und nahmen Platz. Der Mann und die beiden Kinder strahlten übers ganze Gesicht. Man hatte das Gefühl, dass es ihnen Freude machte, Gutes zu tun. Mich berührte die Reaktion dieses Mannes und  der Kinder. Ich bin mir nicht sicher, ob ein deutscher Mann mit seinen Kindern ihre Stühle geräumt hätten…


© Sabine Fenner

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